
Hospiz am Krankenhaus
St. Josephstift
Kategorie | Typ
Wettbewerb, Gesundheitsbau
Ort | Jahr
Dresden, 2017
Bauherr
Krankenhaus St. Joseph-Stift
Der Entwurf für ein Ärztehauszentrum mit Hospiz, das die Angebote am St Josef Stift in Dresden-Johannstadt noch erweitern soll, ging aus dem 2. Platz in einem Werkstattverfahren hervor.
Städtebaulich charakteristisch für das Quartier um das Gelände des katholischen Krankenhauses sind neben den Gebäuden auf dem Krankenhausgelände auch noch andere Sozialbauten wie Schulen und Kindergärten. Auffallend ist in der städtebaulichen Struktur, dass die Gebäude nicht parallel zur Canalettostraße angeordnet sind, sondern die historisch gewachsene Krankenhausanlage gibt die Ausrichtung vor.
Gemäß einem Bauvorbescheid wird diese Ausrichtung auch im Neubau aufgenommen. Dadurch entsteht ein kleiner Vorplatz, der durch eine Arkade noch vergrößert wird und eine gut sichtbare, aber dennoch geschützte Eingangssituation schafft. Durch das vorgesetzte, in die Arkade führende Treppenhaus ergibt sich, ein beidseitiger Zugang von der Kreuzung Canaletto-Straße / Winterbergstraße.
Das Gebäude besteht aus drei gestaffelten Baukörpern, die die Ausrichtung, Proportionen und Traufhöhen des Krankenhauses aufnehmen und variieren:
Die Straßenfassade des Hauptgebäudes setzt sich in der Ostansicht des Ärztehauses interpretierend fort, der geschwungene Giebelanbau zur Canaletto-Straße wird als ellipsenförmiges Treppenhaus „gespiegelt“. Die Rolle des neuen Ärztehauses mit Hospiz als Teil des bestehenden Krankenhaus-Ensembles wird dadurch von weitem deutlich.
Die Gestaltung des Neubaus wird, ganz in der Tradition des St. Joseph-Stifts, durch natürliche Materialien und helle, warme Farben bestimmt: Beiger Lehmputz, Sandfarbener Ziegel, Lerchenholz-Lamellen und sonnengelbe Markisen.
Durch das Wechselspiel der variierend offenen und geschlossenen Lamellen des Treppenhauses entsteht abends / nachts eine von weitem sichtbare „Lichtskulptur“.
Im EG, 1. und 2. Geschoss sind Praxen untergebracht, sowie Gewerbeflächen vorgesehen. Das stationäre Hospiz ist als Teil des Ärztehauses im 3. und 4. OG nach dem „Haus im Haus Prinzip“ strukturiert und zeigt sich zur Straße hin mit einem, die beiden Geschosse verbindenden „Superfenster“, dieses fasst optisch die Wohnküche im 3. und den Mehrzweckraum im 4. OG zusammen. Die Fensterteilung bildet ein Kreuz und kann als Hinweis auf die christliche Orientierung gelesen werden.
Die Patientenzimmer des Hospizes sind um den gemeinsamen Wohnbereich herum angeordnet. So wird der typische Krankenhausflur vermieden, die Wege sind kürzer und die Patienten erleben, schon mit dem Öffnen der Zimmertüre, ein klein wenig Alltag.
Im nördlichen Bereich befinden sich das Treppenhaus und die allgemeinen Nebenräume. Besonders hervorzuheben ist die Wohnküche, die als lebhaftester Ort bewusst platziert wurde, um den Kontakt zum städtischen Treiben zu fördern. Auch der darüberliegende Mehrzweckraum profitiert von großzügigen Fenstern, die den Außenraum einbeziehen.
Ein zentraler Bestandteil des zweigeschossigen Hospizes ist der großzügige Aufenthaltsbereich mit umlaufender Galerie, der sowohl die Patientenzimmer im 3. Obergeschoss als auch die internen Räume im oberen Geschoss miteinander verbindet. Diese Struktur fördert diverse Sichtbeziehungen und belebt den gemeinsamen Wohnbereich, während eine offene Treppe den direkten Zugang zwischen Patienten, Verwaltungsräumen und dem Dachgarten ermöglicht.
Als Herzstück des Hospizes fungiert ein „grünes Zimmer“, ein nach oben offener Lichthof mit einem kleinen Birnbaum und Sitzgelegenheiten. Dieses Element bringt Licht, Luft und Natur in das Gebäude und bietet trotz der innerstädtischen Lage eine kleine Oase der Ruhe und Erholung.
Im 4. Obergeschoss wird eine großzügige Dachterrasse angeordnet, die von einer berankten Pergola umrahmt wird. Diese Fläche ist sowohl vom allgemeinen Zugang als auch vom Raum der Stille und dem Mehrzweckraum zugänglich, wodurch sie als geschützter Freibereich dient. Darüber hinaus kann die Restfläche im 4. OG für das Brückenteam oder alternativ für eine getrennt erschlossene Arztpraxis genutzt werden.
Das 5. Obergeschoss ist für die Unterbringung des Hospizdienstes als separate Einheit vorgesehen. Diese Trennung ist angesichts des regen Besucherverkehrs und der verschiedenen Aktivitäten sinnvoll und bietet die Möglichkeit, zusätzlich Verwaltungsräume oder eine weitere Arztpraxis unterzubringen.
Das Hospiz-Konzept schafft einen Raum, der sowohl funktional als auch einladend ist. Durch die durchdachte Anordnung der Räume, die Integration von Natur und die flexiblen Nutzungsmöglichkeiten wird eine Umgebung geschaffen, die den Bedürfnissen der Patienten und ihrer Angehörigen gerecht wird und gleichzeitig eine hohe Lebensqualität fördert.
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