
Kategorie | Typ
Wettbewerb, Wohnbau
Ort | Jahr
Dresden, 2017
Bauherr
STESAD
Im Rahmen eines von der STESAD durchgeführten Werkstattverfahrens wurde ein städtebauliches Konzept für den Stadtteil Johannstadt in Dresden entwickelt.
Der Stadtteil Johannstadt war vor dem 2. Weltkrieg von einer dichten Blockrandbebauung geprägt. Der Wiederaufbau wurde sehr deutlich von 10 – 15 geschossigen Wohnbauten in industrialisierter Bauweise im Stile der 60er und 70er Jahre bestimmt. Durch die offene Bauweise, zum Teil in Großquartiersformen, zusammen mit den wenigen noch erhaltenen 5 bis 6-geschossigen Blockrändern aus der Vorkriegsbebauung wirkt der Ort stark fragmentiert und besitzt kaum stadträumliche Aufenthaltsqualitäten. Lediglich der alte Strassengrundriss „hält“ noch zusammen.
Die Johannstadt leistet einen wesentlichen Beitrag für das Angebot an preiswertem Wohnraum. Ziel ist es ein solides städtebauliches Konzept zu entwickeln, um qualitätvolles und zukunftsorientiertes Wohnen langfristig in diesem Quartier auch zu halten.
Das städtebauliche Konzept muss zwei Aspekte erfüllen: Es muss Raumkanten schaffen, um die Fragmentierung zurückzubauen, neue Gebäude müssen mit dem Bestand korrespondieren ohne als Fremdkörper zu wirken.
Wir halten die Blockrandbebauung als städtebauliche Grundstruktur für flexibel genug beide Vorgaben zu erfüllen. Mit ersten Bausteinen können Raumkanten hergestellt werden, um Straßenräumen wieder eine Proportion zu geben. Die Blockrandbebauung kann dabei mit dem heterogenen Bestand korrespondieren. Perspektivisch kann so die Blockrandbebauung mit anderen Gebäudeformen / Typologien wie Zeilenbebauung, Blockrandbebauung mit Kämmen und Sonderbausteinen für neue Lebens- und Arbeitsformen kombiniert werden.
Geplant ist eine Zeilenbebauung mit einem markanten Eckturm auf dem Grundstück. Die Zeilenbebauung entlang der Bundschuhstraße stellt den ersten Baustein zur Bildung einer Raumkante dar. Ihre Höhe korrespondiert mit der Vorkriegsbebauung und greift die horizontalen Gliederungen und Sockelzonen der Bestandsgebäude auf. Der Eckturm mit 14 Geschossen setzt einen städtebaulichen Akzent an der Ecke Bundschuhstraße/Florian-Geyer-Straße und bietet den Bewohnern hohe Wohnqualität mit Aussicht.
Die Zeilenbebauung ist so konzipiert, dass sie in späteren Bauabschnitten durch eine 6-geschossige Blockrandbebauung ergänzt werden kann. Dies schafft perspektivisch ein zusammenhängendes Quartier mit einem hochwertigen Innenbereich, der sowohl private als auch öffentliche Nutzungszonen umfasst.
Um die Verzahnung des neuen Quartiers mit den Elbauen zu fördern, wird die Bundschuhstraße bis zum Käthe-Kollwitz-Ufer verlängert, wobei der alte Stadtgrundriss als Leitfaden für die Bebauung dient.
Dieses städtebauliche Konzept für Johannstadt zielt darauf ab, die historische Struktur des Stadtteils neu zu interpretieren und zukunftsorientiertes Wohnen zu schaffen. Durch die Verbindung von neuen und bestehenden Gebäudetypen wird ein lebendiges, attraktives Wohnumfeld gefördert, das den Bedürfnissen der Bewohner gerecht wird und gleichzeitig die urbanen Qualitäten des Stadtteils stärkt.
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